Anteilnahme statt medialer Vorverurteilung

In den letzten Tagen hat der tragische Fall eines 13-jährigen Mädchens aus dem Waldviertel (NÖ), das unter ungeklärten Umständen in seiner Familie verstorben ist, große mediale Aufmerksamkeit erregt[1]. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand meistens, dass die Familie zu einer christlichen Gemeinschaft gehörten und  häuslichen Unterricht betrieben. Im Zusammenhang damit wurden sofort Rufe nach einer Verschärfung, genaueren Kontrolle und sogar eines Verbots des häuslichen Unterrichts laut.

Aus diesem Anlass nimmt der Vorstand des Vereins Homeschoolers.at – Bildung zu Hause Österreich wie folgt Stellung:

1. Besonders in Zeiten der Hassbotschaften in sozialen Netzwerken und in den Kommentarseiten der Medien brauchen insbesondere die in behördliche Obhut genommenen Geschwister der Verstorbenen keine mediale Vorverurteilung, sondern eher größte Zurückhaltung und Anteilnahme.

2. Es müssen durch die zuständigen Behörden und Gerichte zunächst alle Fakten geklärt werden, wie es zu dem Todesfall kommen konnte. Kann den Eltern ein Fehlverhalten nachgewiesen werden, ist es Aufgabe der Gerichte (und nicht der Gesellschaft und der Medien), dieses zu ahnden.

3. Es gibt bis jetzt keinerlei Beweise dafür, dass der Todesfall im Zusammenhang zu der Tatsache steht, dass die Familie  häuslichen Unterricht praktizierte. Auch an der Schule können Kinder einfach krank gemeldet werden. Auch bei Schulkindern gibt es Fälle von übersehenen und ignorierten Krankheitssymptomen.

4. Wir weisen daher die Kritik am häuslichen Unterricht, die im Zusammenhang mit diesem Einzelfall gemacht wird, zurück. Der Fall erlaubt keine Schlussfolgerung auf den häuslichen Unterricht im Allgemeinen und auf die Homeschooling-Community. Die im „Standard“  zitierte Aussage von Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen gemachte Aussage „Das Grundproblem des häuslichen Unterrichts ist, dass er oft zur Spielwiese von Fanatikern wird“ bleibt reine Spekulation, bis Frau Schiesser entsprechende Zahlen und Fakten nennt.

Das gleiche gilt auch für den Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder dem Glauben der Eltern und dem Tod der Tochter, der nicht erwiesen ist. Noch herrscht in Österreich Religionsfreiheit. Wir lehnen es ab, diesen Fall zum Anlass zu nehmen, sich am allseits beliebten Christen-Bashing zu beteiligen. Es liegt nahe, dass sich Vanessa Gaig im „Standard“ über eine „extrem konservative Bibelauslegung“ mokiert, oder darüber, dass jemand glaubt, dass „Gott einen Plan hat, den die Menschen nicht verstehen können“, dass „der Tod nicht die Katastrophe schlechthin und das Leben danach besser sein soll“: vieles davon gehört zu den selbstverständlichen Glaubensaussagen der Bibel und damit aller gläubigen Christen. Diese stehen hier nicht auf dem Prüfstand.


[1] Siehe z.B. Artikel in der Kronen-Zeitung „Glaube „verbietet“ ärztliche Hilfe: Kind (13) tot!“ vom 12.10.2019, „13-Jährige starb an entzündeter Bauchspeicheldrüse“ vom 14.10.2019, „Drama um Maria (13) sorgt für Aufsehen in Europa“ vom 16.10.2019; RTL.de „Eltern lassen kranke Tochter nicht zum Arzt – 13-Jährige stirbt“vom 17.10.2019